Sächsische Städteroute - 24. bis 26. September 2021
Mitte 2019 fuhr ich die Mittellandroute (D4) ab Weimar bis nach Aachen. Das Stück zwischen Weimar und Zittau fehlte mir also noch die ganzen Jahre. Pedantisch wie ich bin, geisterte mir die Rest-Mittellandroute immer wieder durch den Kopf. Als sich die Chance ergab, fuhr ich zunächst die Thüringer Städtekette (Video zur Tour hier: https://youtu.be/z_yK7o4olXg).
Damit war dann nur noch der sächsische Teil des D4 abzuradeln. Ende September 2021 war ich auf der Suche nach einer kleinen, mehrtägigen Tour, um das gute Wetter ausnutzen zu können. Ich stieß auf die Sächsische Städteroute - das sächsische Pendant zur Thüringer Städtekette. Von Crimmitschau bis nach Freiberg verläuft diese Tour parallel zum D4, also konnte ich damit wieder ein gutes Stück D4 abhaken.
Hier gibt es mein Video zur Tour:
Tag 1
Vom Bahnhof in Crimmitschau hieß dann erst einmal, aus der Stadt herauszufahren. Nach nur wenigen hundert Metern erreichten wir den Startpunkt der Sächsischen Städteroute (SäS) - sehr unscheinbar und nicht gesondert hervorgehoben. Anschließend folgte die Strecke dem Verlauf der Pleiße. Für etwa 4 km verläuft der Pleißeradweg hier parallel zur SäS und zur D4; dabei unterquert man das erste von vielen Malen die Autobahn A4. In Höhe Gosel trennen sich die Wege wieder.
Innerhalb weniger Kilometer war Glauchau erreicht, das man aber relativ weit im Norden durchfährt, fast schon nur tangiert.
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Es geht durch viele schöne Ortschaften, hier Gesau. |
Nördlich von Hohenstein-Ernstthal war der erste "Gipfel" im Höhenprofil erklommen. Weil das Wetter zwischenzeitlich nicht wirklich freundlicher geworden war und es ab und an nieselte, war auch der Blick nach Hohenstein-Ernstthal verhangen:
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"Dunst" über Hohenstein-Ernstthal |
Nach Erreichen des zweiten Höhenprofil-Gipfels hinter Wüstenbrand ging es dann gepflegt bergab durch den Rabensteiner Wald bis nach Chemnitz.
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Auf dem Totenstein im Rabensteiner Wald, Blick Richtung Chemnitz |
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leicht zu übersehender Abzweig in Chemnitz-West |
Wir folgten dann dem Kappelbach bis hinein ins Zentrum von Chemnitz. Beim Subway in der Zwickauer Straße gab es für uns kurz vor Erreichen des Zentrums eine Mittagsrast. Der Subway bietet auch eine vegane Auswahl, wodurch ich dort auch etwas fand.
Der Kappelbach mündet dann in die Chemnitz (Fluss), dem die Route auch ein kurzes Stück folgt, bevor man dann auf die Brückenstraße biegt, am Karl-Marx-Kopf vorbeifährt und dem Verlauf der Augustusburger Straße auf parallel verlaufenden Wegen nach Osten folgt. Der kontinuierliche Anstieg von 1-2 % machte sich dabei schon bemerkbar.
Hinter Euba wartete dann der erste stärke Anstieg des Tages mit bis zu 10 %. Das war allerdings nur das Vorspiel, denn was man ab Chemnitz erklommen hatte, ließ man gleich wieder hinter sich. Ein kurzer Blick auf das Schloss Augustusburg, was noch sehr weit entfernt wirkte, und schon befanden wir uns auf einer rasanten Abfahrt hinab ins Tal der Zschopau.
Ab Erdmannsdorf ging es nach Überquerung der Zschopau hinauf zum Schloss Augustusburg. Auf einer Strecke von 4 km überwindet man dort ca. 225 Höhenmeter. Für mich hieß das Stop & Go, d. h. immer wieder kleine kurze Pausen zum Luftholen. Winnie schaltete einfach seine Unterstützung dazu 😉. Zu meiner Überraschung habe ich es tatsächlich ohne Schieben geschafft. Umso fröhlicher war ich dann natürlich, als wir beim Schloss ankamen.
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beim Schloss Augustusburg |
Vom Schloss ging es unterschiedlich stark bergab, wieder auf Niveau der Zschopau. Doch diesmal hieß der das Tal formende Fluss "Flöha". In Falkenau endete die Abfahrt. Nach Oederan mussten wir wieder einen kleinen Anstieg mit bis zu 11 % überwinden.
Das restliche Teilstück nach Freiberg enthielt noch den ein oder anderen Hügel, im Vergleich zum Rest des Tages jedoch nichts mehr wirklich nennenswertes. In Freiberg angekommen, bogen wir an den Kreuzteichen rechts zum Bahnhof ab und verließen damit die Route. Mit der Bahn ging es dann zurück nach Herrenhaide (bei Burgstädt) zu Winnie nach Hause.
Tag 2
Wir nahmen einen frühen Zug von Burgstädt über Chemnitz nach Freiberg. Kurz nach 8:30 Uhr konnten wir am Freiberger Bahnhof starten und fuhren zurück zur Route an den Kreuzteichen. Für die erste Tageshälfte sah das Höhenprofil einen kontinuierlichen Abstieg bis zur Elbe vor, nur zu wenigen Gelegenheiten durch kleinere Anstiege durchbrochen.
Nach nicht einmal 8 km ab Freiberg verläuft die SäS sehr nah an der Freiberger Mulde entlang. Über 14 km fährt man so gleichzeitig auf dem Mulderadweg. Erst in Nossen trennen sich die Wege der beiden Wege 😉. Dort hat man dann auch schon bis auf einen alle Anstiege der ersten Tageshälfte geschafft.
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in Höhe Hohentanne überwindet man einen Anstieg mit fast 10 % Steigung |
Bis dort hin durchfährt man aber erst einmal ein wirklich schönes Flusstal und bekommt dabei sogar noch ein wenig von der Lokalgeschichte mit.
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Maschinenbaufabrik Obergruna, seit 1836 |
Auch wenn man sich in der Gegend nicht gut auskennt, so kann man die markante Brücke der Autobahn A 4 nicht übersehen. Damit weiß man, dass man kurz vor Nossen ist. Von dieser Stadt erhascht man nur einen schnellen Blick vom Schloss, bevor man rechts abbiegt und sie so schnell wieder verlässt, wie man hineingefahren ist.
Wenige Kilometer später hat man in Obereula den letzten - kleineren - Anstieg der ersten Tageshälfte erklommen. Von hier geht es über eine Strecke von fast 40 km beinahe durchweg bergab. Entsprechend schnell kommt man hier voran. Ab etwa Höhe Rothschönberg schlängelt sich die nur wenig befahrene Straße im Tal der Triebisch entlang.
So erreichten wir sehr entspannt Meißen.
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Mit bestem Blick auf die Albrechtsburg überquert man in Meißen die Elbe. |
Die nächsten 15 km verläuft die SäS parallel zum Elberadweg. Wir stoppten 13 km hinter Meißen bei "Velo Verde" für eine Mittagsrast.
Etwa in Höhe Radebeul verlässt man dann den Elberadweg in Richtung Norden. Wir kamen hier dann nicht mehr sehr weit. Winnie entdeckte an seinem Vorderreifen Ausbeulungen, die auf eine starke Beschädigung seiner schlauchlosen Reifen hindeuteten. Weil wir uns gerade in Reichweite von Fahrradhändlern befanden, entschied sich Winnie, dies gleich reparieren zu lassen. Leider war es schon Samstag Nachmittag, sodass die wirklich nahen Fahrradläden bereits geschlossen waren. Winnie fuhr dann zum 4 km entfernten Fahrrad XXL, während ich der Tour weiter folgte.
Ab Radebeul ging es dann erst einmal für 5 km mal mehr mal weniger stark bergauf bis nach Dippelsdorf. Auf wirklich sehr schönen Radwegen und kleineren Straßen erreicht man dann recht zügig Moritzburg mit dem gleichnamigen Schloss.
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Schloss Moritzburg |
Wo ich hier jetzt gerade diesen Blog-Beitrag verfasse und die Tour nachvollziehe, fällt mir auf, dass ich offenbar gar nicht der korrekten Route gefolgt bin. Sowohl Komoot als auch WayMarkedTrails.org zeigen einen Verlauf an, der nicht durch Moritzburg führt. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich meine, den GPX-Track von den Seiten des Tourismusverbandes Dresden Elbland gezogen zu haben. Dort wird auch die Variante über Moritzburg angezeigt.
Sei's drum. Das Schloss Moritzburg zu sehen, war den Abstecher allemal wert. Es ist einfach wunderschön und für mich so eine Art Wahrzeichen für Sachsen.
Ab Bärnstorf verlief unsere Routenführung wieder zusammen mit der in Komoot zu findenden.
Insgesamt 30 km habe ich allein zurückgelegt. In Schönborn, einem Stadtteil von Dresden, trafen sich Winnie und ich wie verabredet wieder. Von dort fuhren wir hinab zur Großen Röder und anschließend sofort wieder hinauf, teilweise mit 8 % Steigung. Kurz nach erneuter Unterquerung der Autobahn A 4 in Höhe Seifersdorf beginnt ein stärker werdender, auf 10 km gestreckter Anstieg bis kurz vor Oberlichtenau. Man wird direkt für die Anstrengung belohnt. Denn ab hier folgt man für ca. 5 km dem Tal der Pulsnitz. Die Strecke führt hier abflachend bergab. In Reichenbach biegt man rechts ab und lässt die Pulsnitz hinter sich.
Auf der Reststrecke bis nach Kamenz gab es dann nur noch einen kleinen, nennenswerten Anstieg beim Steinbruchsee Prelle in Häslich. Nach 122,8 km kamen wir beim Hotel Goldner Hirsch (Booking.com-Partnerlink!) an, gingen noch zu Abend essen und hatten im Hotel eine erholsame Nacht.
Tag 3
Wir starteten gut in den Tag, der mit insgesamt 1.160 Höhenmetern noch mal gut anstrengend zu werden versprach. Wir fuhren zunächst aus Kamenz heraus. Mir kam die Strecke bekannt vor, denn keine vier Monate zuvor fuhr ich den Krabatradweg ab (Video hier). Erst nach etwa 5 km bog der Krabatradweg in Deutschbaselitz links ab, die SäS stattdessen nach rechts.
Kurz vor Prietitz war doch tatsächlich eine Umleitung für Radfahrer ausgeschildert, sodass wir dort eine kleine Abkürzung nach Kriepitz nehmen mussten. Auf ruhigen Landstraßen und beinahe verkehrsfreien Landwirtschaftswegen fährt man hier angenehm durch die Lausitz und genießt - gutes Wetter vorausgesetzt - immer wieder schöne Weitblicke in die sanft hügelige Umgebung.
Nach knapp unter 40 km erreichten wir Bautzen, wo man auf die Spree trifft.
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Altstadt Bautzen |
Kaum hat man den Anblick der Altstadt genossen, muss man dort einen knackigen Anstieg überwinden. Man verlässt Bautzen in östlicher Richtung und durchfährt dann eine sehr ländlich geprägte Region. Nördlich von Löbau schwenkt die Route dann scharf nach Süden, um zu eben dieser Stadt zu führen.
In Löbau kamen wir 14:30 Uhr an und machten dort erst einmal eine ordentliche Pause. Der dritte Tag unserer Reise war dann doch recht anstrengend, weshalb Winnie sich über einen Döner freute und ich mich über mitgebrachte Brote sowie eine eingekaufte Sprite 😁. Frisch gestärkt gingen wir die restlichen 35 km an.
Unsere Schatten wurden dann schon deutlich länger und wiesen uns den Weg nach Osten. Denn die Sonne stand schon sehr weit im Westen.
Kurz vor Deutsch Paulsdorf führte uns unser Track von der eigentlichen Routenführung weg. An zwei Kreuzungspunkten mit dem tatsächlichen Streckenverlauf kamen wir deshalb kurz ins Stutzen. So kam es dann, wie es kommen musste: wir vertrauten der Navigation nicht mehr und bogen in Jauernick-Buschbach rechts ab, statt nach links weiter zu fahren. Es folgte eine rasante Abfahrt hinab zum Berzdorfer See. Die wollten wir nicht wieder hochstrampeln müssen, weswegen wir nach einem kurzen Blick auf die Karte entschieden, den vorhandenen Wegen rund um den See zu folgen.
Wir hatten mittlerweile auch einen Zug ins Auge gefasst, den wir nehmen wollten. Diesen zu erreichen schien jetzt in Gefahr zu sein, weswegen wir ziemlich zügig am See entlang fuhren. Geholfen haben aber auch die Mücken, die einen sofort belagerten, wenn man einmal zum Stehen kam.
Wir trafen dann auf die Deutschlandroute D 12, den Oder-Neisse-Radweg, fuhren aber auf direktem Wege zum Zielpunkt. Im Zentrum von Görlitz hatten wir die SäS wieder gefunden und folgten dieser die letzten paar hundert Meter zum Ziel der Tour: der Altstadtbrücke von Görlitz. Zum Bahnhof ging es dann durch die sehenswerte Altstadt von Görlitz. Unseren Zug erreichten wir noch ohne großen Zeitdruck.
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trotz Verfahrens gut und rechtzeitig angekommen |